Corona Test

Infiziert mit dem Corona-Virus - Zwei Erkrankte berichten

Gegenwärtig steigt täglich die Zahl der Menschen, die nachweislich mit COVID-19 infiziert sind. Virologen prognostizieren, dass sich die Mehrzahl der Bevölkerung früher oder später anstecken wird. Chris Schmitt* und Sophie Kern* haben das Virus bereits hinter sich und berichten von ihren Erfahrungen.

„Am Schlimmsten ist die Atemnot“

Sophie war vom 6. bis 8. März in Ischgl Skifahren. Vom Corona-Virus hatte sie zu diesem Zeitpunkt durch die Medien zwar erfahren, ihr persönliches Risiko aber doch als gering eingeschätzt. Zudem glaubte sie noch, die Medien würden die Gefahr hochspielen. Obwohl sie dann gleich zu Beginn des Skiwochenendes erfahren habe, dass eine beliebte Kneipe wegen des Virus geschlossen bleibe, habe sie trotzdem nicht geglaubt, dass sie sich selbst anstecken würde. Beim Après-Ski habe sie einige Leute kennen gelernt, gefeiert und die Kontaktdaten ausgetauscht. Daher wisse sie inzwischen auch, dass sich doch einige aus der Feierrunde – wie sie selbst auch – bei dieser Gelegenheit mit dem Corona-Virus infiziert haben.

„Ich bin froh, dass wir auf der Heimreise nirgendwo angehalten haben und dass ich nach meiner Rückkehr nicht mehr bei der Arbeit war. Sonst würde ich mir jetzt Vorwürfe machen andere angesteckt zu haben“, so Sophie Kern. Bei ihr hätten die Symptome schnell eingesetzt und sie würden in abgemilderter Form bis heute anhalten. „Schon direkt nach der Rückkehr von Montag auf Dienstag habe ich Fieber um die 40 Grad bekommen, das hatte ich seit der Kindheit nicht. Am schlimmsten ist die Atemnot, die bis heute anhält. Sobald ich anfange und etwas im Haushalt mache, werde ich wieder kurzatmig. Das ist bis heute nicht besser geworden. Das macht mir sogar etwas Angst“. Sophie Kern ist Mitte 30, recht sportlich und gesund. Trotzdem bezeichnet sie das Virus als aggressiv, die Krankheitsphase als sehr belastend. Zusätzlich habe sie unter schlimmen Kopfschmerzen und fast eine Woche lang unter Halsschmerzen gelitten. „Ich wundere mich im Nachhinein darüber, wie kompliziert es trotz meiner Symptome und meinem Aufenthalt in Ischgl (damals noch kein Risikogebiet) war, an einen Test zu kommen. Letztlich habe ich einen beliebigen Arzt in Leinfelden-Echterdingen angerufen, der mir einen Code verschafft hat, um mich an der Messe Stuttgart (eigentlich nur für Esslinger) testen zu lassen.“ Im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart habe man Sophie Kern nicht testen wollen. Ihr sei ein Test wichtig gewesen, damit sie ihr Umfeld besser schützen könne. In Quarantäne sei sie zusammen mit einer Freundin, die sich ebenfalls beim Skifahren infiziert habe. Diese habe Bedenken gehabt, ihren Partner anzustecken und sei deshalb zu ihr ausgewichen. Sie sei froh, dass sie nicht alleine unter Quarantäne gestellt ist, trotzdem sei es nicht einfach, diese Zeit zu zweit zu überstehen, ohne sich zwischendurch nicht ordentlich in die Haare zu kriegen. Sie berichtet aber auch von positiven Erfahrungen, auch aus dem übrigen sozialen Umfeld, alle hätten ihre Hilfe angeboten. Sie sei beispielsweise regelmäßig mit Einkäufen versorgt worden. Inzwischen ist sie beinahe genesen. Wenn es gut läuft und sie bald 48h symptomfrei gewesen sein wird, darf sie zumindest wieder das Haus verlassen.

„Um Test kämpfen müssen“

Chris, 28 Jahre, hat sich während einer selbst organisierten Gruppenreise nach Gran Canaria angesteckt. Bei wem genau, könne er nicht mehr nachvollziehen. Inzwischen hätte aber gut die Hälfte der Gruppe die Krankheit durchgestanden. „Wir haben uns im Hostel als Gruppe von 13 Personen zwei Bäder geteilt, elf von uns haben in einem Raum geschlafen“, erinnert sich Chris. Die Infektion sei bei ihm „halb so wild“ verlaufen. Der Krankheitsverlauf sei „völlig normal“ gewesen und habe sich bei im nicht von vorigen Infektionen unterschieden. Er neige zu Kehlkopfentzündungen, die auch jetzt ein Leitsymptom gewesen sei. Darüber hinaus habe er sich krank gefühlt, Halsschmerzen und eine Mittelohrentzündung gehabt. „Ich habe die Symptome eigentlich anders eingeordnet. Sie waren für mich zunächst die logische Konsequenz vom Baden im kalten Atlantik, der Klimaanlage im Flugzeug und dem Temperaturunterschied zwischen Gran Canaria und Deutschland“, so Chris. Er habe sich nicht vordergründig wegen den Symptomen, sondern wegen der Tatsache testen lassen, dass seine Freundin in Tirol gewesen sei. Diese sei aber interessanter Weise im Gegensatz zu ihm negativ getestet worden. Da noch weitere Personen aus der Gruppe Corona-positiv waren, liege die Vermutung nahe, dass die Wurzel irgendwo auf den Kanaren liege. Auch er berichtet, wie nachdrücklich er um einen Test habe kämpfen müssen. Die Quarantäne zu zweit würden sie ganz gut durchstehen. Er dürfe inzwischen wieder raus, seine Freundin müsse noch länger zuhause bleiben, da sie mit ihm als nachweislich infizierten Kontakt hatte. „Wir haben eine kleine Wohnung, aber doch ist sie groß genug, um sich aus dem Weg zu gehen. Wir beide sporteln immer wieder zwischendurch, so gut man das eben zuhause machen kann.“

Fragt man Chris, was er an dieser Erfahrung und an der aktuellen Krise für besonders beachtlich hält, sagt er: „Auch wenn man immer wieder anderes hört: Ich habe aus meinen Erfahrungen durchaus mein Vertrauen in das System bewahrt und bin mir sicher, dass wir diese Krise gut überstehen werden. Zwischenmenschlich können wir sicher einiges aus der Krise lernen. Soziale Kontakte, Kommunikation werden wieder wichtiger, man besinnt sich auf das, worauf es ankommt.“ Dass man gegenwärtig die Menschen noch überzeugen muss, möglichst soziale Kontakte zu meiden, kann er – wie übrigens auch Sophie – überhaupt nicht verstehen. Sorgen mache er sich um Alleinstehende, Alte und Kranke. Er habe sich nach überstandener Infektion gleich bei der Nachbarschaftshilfe als freiwilliger gemeldet, um wenigstens einen kleinen Beitrag leisten zu können, solchen Menschen zu helfen.

*Die Namen der betroffenen Personen wurden geändert, die tatsächlichen Namen sind der Redaktion bekannt.

von Isabelle Steinmill

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